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2005

  • Memory – Aus dem Musical „Cats“
    Musik: Andrew Lloyd Webber;

  • Heimweh – Von Freddy Quinn

  • Die alte Moorhexe –
    Musik: Alarich Wallner;

  • Wäre das nicht wunderschön –
    Aus dem Musical „My Fair Lady“.
    Musik: Frederick Loewe;

  • Hail Holy Queen – Aus dem Film „Sister Act“.
    Arrangement: Mac Huff

  • Tonight – Aus dem Musical „West Side Story“.
    Musik: Leonard Bernstein;
    Arrangement: Helmut Lörscher

  • You‘ll Never Walk Alone – Musik: Richard Rodgers;
    Text: Oscar Hammerstein; Arrangement: Johnny Mann

  • Leise flehen meine Lieder – Von Franz Schubert.
    Vorgetragen von Roland Lang (Bass)

  • Sommerlied – Musik: Robert Schumann, Op. 116, Nr. 4;

  • Wenn ich einmal reich wär‘ – Aus dem Musical „Anatevka“.
    Musik: Jerry Bock; Text: Rudolf Merz; Arrangement: Helmut Lörscher

  • Can‘t Buy Me Love – Von John Lennon & Paul McCartney;
    Arrangement: Keith Abbs

  • Shalom aleichem – Israelisches Volkslied

  • Aya Ngena – Zulu-Tradtional

  • Nginesi po – Tradtionelles Zulu-Hochzeitslied

  • Sound of Silence – Von Paul Simon; Satz: Uli Führe

  • Ein Freund, ein guter Freund –
    Musik und Text: Heymann / R. Gilgert; Satz: M. Altmann

  • Der Lattenzaun – Musik: Uli Führe;
    Text: Christian Morgenstern;

  • Fisches Nachtgesang – Musik: Johann Krebs; Text: Christian Morgenstern

  • Hoja, hoja, es brennt! – Von Thomas Morley

  • I Will Follow Him – Musik: J.W. Stole & Del Roma;
    Text: Norman Gibel & Arthur Altman; Arrangement: Andreas Spoo

BENNO - eine endliche Geschichte


(von Helga Drexler)

Der da am Flussufer sitzt, das ist der Benno. Heiß brennt die Sonne vom Himmel und er ist froh über das bisschen Schatten, den einer der wenigen Bäume spendet. Wehmütigen Gedanken hängt er nach, der Benno. Er denkt an zu Hause. Wie lange ist er jetzt schon fort von daheim! Ein Fremder ist er geblieben, hier in der fernen, weiten Welt. Ein Fremder unter Fremden. Und der Benno hat Heimweh - Mein Gott, hat der Benno Heimweh!

Zu Hause, sinniert der Benno, zu Hause muss es jetzt Herbst sein und der Wald, der sich gleich hinter dem Dorf den Berghang hinaufzieht, wird in den schönsten Herbstfarben leuchten. Die Eltern haben sicher schon die Äpfel von dem alten, knorrigen Apfelbaum gepflückt rotwangige, große, saftige Äpfel, der Benno kann richtig ihren Geschmack auf der Zunge spüren. Und wenn dann am Abend die Dämmerung hereinbricht und weißer Nebel aus den Wiesen aufsteigt, werden die Dorfkinder, so wie er und seine Freunde früher, einander gruselige Geschichten erzählen. Gut erinnert sich der Benno noch an die Geschichte von der alten Moorhexe, die nachts über Wiesen und Felder streift und mit dem Wind um die Wette singt.

Jetzt ist er glatt eingeschlafen, der Benno, und - was seh' ich denn da! - jetzt erscheint ihm doch tatsächlich diese alte Moorhexe im Traum!"Hi, hi, hi", kichert sie, "von wegen Sonnenstrahlen und buntem Herbstlaub. Bei dir zu Hause sind die Bäume längst kahl, und auf dem Apfelbaum im Garten deiner Eltern hängt auch nur mehr ein verschrumpelter, vergessener Apfel. Es ist in diesem Jahr ziemlich bald kalt geworden bei dir daheim und mein Rheumatismus plagt mich noch mehr als sonst. Ich wünschte, es gäbe irgendwo ein warmes Zimmerchen für mich, das wär' schön!"

Benno, erinnerst du dich noch an deine erste große Liebe", fragt die Hexe, - der Schalk blitzt ihr dabei aus den Augen - "wie du geschmachtet hast nach der Nelly, dem hi, hi, - Nachbarstöchterchen". "Ach ja, die Nelly", seufzt der Benno, und noch im Traum erfasst ihn eine große Wehmut, wenn er daran denkt, wie sie gesungen haben, die Nelly und er, zusammen im Kinderchor. Einen ganz roten Kopf hat er jedes Mal bekommen, wenn er mit ihr geredet hat.

Und der Benno träumt weiter, vom Jugendlager in Holzschlag, wo er und die Nelly ganz nahe beisammen gesessen sind, beim Lagerfeuer. Sie haben Würstel auf einen langen Stock gesteckt und dann zum Braten ins Feuer gehalten. Wie ein heißer Blitz hat es die beiden jedes Mal durchzuckt, wenn sich ihre Hände zufällig berührt haben und beim Nachhausegehen, da hat dann der Benno der Nelly seine große Liebe gestanden.

Die Nelly war aber auch ganz schön durcheinander. So lieb wie den Benno hat sie noch niemanden gehabt, und sie hat den Benno zuerst ganz fest in ihr Herz und dann in ihre Arme geschlossen.

Und - jetzt ist der Benno wieder hellwach - im nächsten Sommer ist dann der Albert gekommen. Die Nelly hat's von dem Benno weg- und zum Albert hingezogen. und aus war`s mit der großen Liebe. Jetzt ist er dagesessen - allein -, mit seinem Schmerz in der Brust und seiner Sehnsucht nach der Nelly.

Dem Benno hat alles nichts genützt, so sehr er sich auch bemüht hat. Jetzt hat der Albert geleuchtet als neuer Stern am Liebeshimmel der Nelly, und der Benno war der Nelly schnuppe. Ein - gefühlsmäßig - kalter Sommer ist das gewesen, damals, für den Benno.

Ja, und dann ist der Benno weggegangen von zu Hause. Denen werd' ich's zeigen!, hat er sich vorgenommen; der Nelly, dieser falschen Schlange, dem Albert und überhaupt allen. Reich wird er werden, da draußen in der weiten Welt, ganz reich und berühmt.

Wenn ich einmal reich wär', wer träumt nicht davon? Alle Reichtümer dieser Welt seien dem Benno von Herzen vergönnt, wenn er ihn nur nicht dafür einsetzt, damit die Liebe seiner Nelly zu erkaufen. Ein armer Mann wäre der Benno dann, trotz seines Reichtums.

Lassen Sie mich die Geschichte von Benno weitererzählen. Benno geht also auf Wanderschaft und er kommt weit herum in der Welt, nur - heimisch - heimisch wird er nirgendwo. Immer wieder drängt es ihn zum Aufbruch. Zwei Länder, in die es unseren Helden unter anderem verschlagen hat, wollen wir jetzt musikalisch vorstellen.

Der Benno ist dann in eine große Stadt gegangen - riesig war die! Da will er jetzt bleiben und endlich das große Geld verdienen. Was für eine Stadt! So viele Menschen, so viel Geschäftigkeit, so viel Rastlosigkeit und trotzdem - so viel ..."Stille"; aber keine entspannte Stille, wie sie der Benno gerne finden möchte, nein, eine .... - tote - Stille. Und wenn der Benno mit wachen Ohren in diese Stille hineinhorcht, kann er ihn hören, den Klang der großen Städte, der das Lied der neuen Götter - Technik, Fortschrittsglauben oder wie auch immer ihre Namen sind - durch die Lüfte trägt, dann kann er ihn hören, den Sound of Silence".

Unser Benno sehnt sich so sehr nach einem Gefährten, nach einem Freund, einem guten Freund.

Und endlich, so glaubt Benno, hat er ihn gefunden, den Freund, den guten Freund. Architekt, hat der gesagt, sei er und dem Benno würde er ein Haus bauen, ein Haus, so modern und ungewöhnlich, wie man noch nirgendwo eines gesehen hätte.

So also ist es dem Benno ergangen, mit den sogenannten "guten Freunden". Er hat genug von der fremden, weiten Welt. Und jetzt steh'n wir wieder am Anfang unserer Geschichte. Erinnern Sie sich noch? Da sitzt der Benno heimwehkrank am Flussufer. Von der Heimat hat er geträumt, von der Moorhexe, von der Nelly - ach die Nelly - und vom Albert, aber den verdrängt er gleich wieder. In seinem Weltschmerz schüttet er den Fischen im Fluss sein Herz aus. Ich möchte wieder nach Hause, einfach wieder nach Hause zurück, helft mir doch, ihr Fische da drinnen im Fluss, und sagt mir was ich tun soll.
Und natürlich wollen die Fische dem Benno helfen. Die Luftblasen wirbeln nur so an die Wasseroberfläche, so tief versenken sie sich in Bennos Problem.

Haben Sie verstanden, welchen Rat die Fische dem Benno gegeben haben? Nein? Sie haben nichts gehört? Tz, tz, tz tz,...
Also gut, ich werd`s Ihnen verraten: "Geh zurück", haben die Fische dem Benno geraten, "geh zurück nach Hause, zurück zur Nelly, zurück zu den Eltern, den Kameraden, den Gruselgeschichten, der Moorhexe, zurück in die vertraute Heimat, zurück, nur zurück!" das haben sie gesagt, die Fische.
Also, ich glaub', dass der Benno ihren Rat befolgen wird, wo doch sein Herz vor Sehnsucht brennt - nach daheim und nach der Nelly.

Zu einem richtig schönen Märchen gehört auch ein richtig schönes Happyend. Soll doch der Benno nach Hause zurück gehen! Reich, so wie er sich das vorgenommen hat, ist er zwar nicht geworden, aber danach fragt ihn ohnehin keiner und die Nelly schon gar nicht. Die wird vor Glück sowieso kein Wort herausbringen, wenn sie den Benno nach so langer Zeit wiedersieht. Das mit dem Albert, das hat der Nelly schon längst leid getan. Ab jetzt wird sie bei dem Benno bleiben, wo auch immer der hingehen will.
Ach ja, eh' ich's vergesse, das darf natürlich auch nicht fehlen: " ... und von da an lebten sie glücklich bis an ihr Ende".